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100 Jahre Willinger Viadukt

Feiern Sie mit uns das Brückenfest am 12. August 2017

Aus der Geschichte der Uplandbahn

100-jähriges Eisenbahnjubiläum in Willingen

  • Entscheidung und Planung

    Bereits im Jahre 1910 wurde die Absicht der Regierung bekannt, eine Querverbindung zu den Bahnstrecken der Main-Weserbahn (Frankfurt - Kassel) und der Ruhrtalbahn (Kassel - Hagen) zu schaffen. Dass die Trasse durch das Upland führen sollte, war dabei keineswegs sicher. Fortan versuchte man sowohl im Upland als auch im benachbarten Adorf Einfluss auf die Streckenführung zu nehmen. Beide Gemeinden hatten ein berechtigtes Interesse an einem Anschluss an das Schienennetz und zählten wichtige Gründe dafür auf. Die Adorfer Eisengruben waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und es gab bereits eine Kleinbahn nach Bredelar, die leicht auszubauen gewesen wäre. Demgegenüber standen die großen Waldungen des Uplandes, die im fürstlichen Besitz waren und erschlossen werden sollten. Ob es zuletzt dem Einfluss des Fürsten zu verdanken ist, dass die Entscheidung für den Anschluss ans Bahnnetz zugunsten des Uplandes fiel, kann nur vermutet werden.

  • Der Bau des Viadukts

    Im Frühjahr 1913 begann man an mehreren Abschnitten mit dem Bau der Strecke zwischen Brilon Wald und Korbach und schon am 1. Oktober des darauf folgenden Jahres wurde die Teilstrecke Brilon Wald - Willingen dem Verkehr übergeben. Mit Ausbruch des Krieges wurden die Arbeiten an der Bahn durch den Ausfall der wehrfähigen Männer unterbrochen und kamen langsam wieder in Gang, als man Jugendliche und französische Kriegsgefangene heranzog. Man sah sich kolossalen Herausforderungen gegenüber: es galt, große Höhenunterschiede zu überwinden, allein zwischen Usseln und Korbach 250 Höhenmeter. Tiefe Einschnitte und hohe Dämme verursachten enorme Kosten und eine besondere Schwierigkeit stellte der Bau verschiedener Brücken dar, allen voran die große Talbrücke in Willingen: der Viadukt, das heutige Wahrzeichen. Man munkelte, jeder Kilometer der Strecke zwischen Brilon Wald und Korbach hätte rund 100.000 Goldmark verschlungen, eine für damalige Zeiten exorbitante Summe. Kein Wunder, dass viele kritische Stimmen die Bauarbeiten begleiteten und man orakelte, dass im Winter die Züge nach heftigen, aber für das Upland durchaus typischen, Schneefällen ohnehin nicht würden verkehren können. Und tatsächlich: bereits zwei Tage nach Freigabe der Strecke blieb der erste Zug am 3. April 1917 im Schnee stecken. Derartige Ausfälle sollten sich zwar von Zeit zu Zeit wiederholen, blieben aber in den mittlerweile 100 Jahren Upländer Bahngeschichte die Ausnahme.

  • Das Ende der Postkutsche

    Der 1. April 1917 war ein bedeutender Tag im Upland und wäre zu der Zeit nicht gerade Krieg gewesen, hätte es sicherlich ein großes Fest gegeben. Ein letztes Mal erklang das Posthorn über den Uplandbergen und die Postkutsche trat ihre letzte Fahrt an, um schließlich dem Dampfross das Feld zu überlassen.

  • Die ersten Fahrgäste

    Im Jahre 1917 wurde die Uplandbahn in erster Linie von den Arbeitern genutzt, die vorher zu ihrer Arbeitsstätte in Brilon Wald zu Fuß gehen mussten und von Kindern, die in Korbach oder Brilon eine höhere Schule besuchten, die es damals in Willingen noch nicht gab. Außerdem konnte man jeden Montagmorgen ca. 100 bis 120 Handelsleute auf dem Bahnsteig antreffen, die mit dem Zug ins Ruhrgebiet, ins Lipper- und Münsterland reisten, um ihre Waren zu verkaufen. Auffallend waren die blauen Leinenkittel mit weißer Stickerei, die sie trugen und die weißen Leinensäcke, in denen die Waren, hauptsächlich Leinen und Fasskranen, transportiert wurden. Die "Linnenkerle" machten das Upland über seine Grenzen hinaus bekannt und so waren die ersten Gäste, die Willingen besuchten, Geschäftspartner der Linnenkerle. Anfangs verkehrte nur eine kleine Zahl von Zügen, morgens und abends je einer in jede Richtung. Nachmittags konnte man einen Güterzug nach Korbach benutzen, an den ein Personenwagen angehängt war. Diese Fahrt dauerte damals über zwei Stunden, heute erreicht man Korbach in gerade mal 21 Minuten.

  • Die Bedeutung der Bahn für den Tourismus

    Der Fremdenverkehr spielte 1917 nur eine untergeordnete Rolle, denn der Erste Weltkrieg hatte die Entwicklung in diesem Bereich aufgehalten. Im Jahre 1910 gab es etwa 60 Gästebetten in Willingen, die sich auf zwei Gasthöfe und ein Hotel aufteilten und man bezifferte die Gästeankünfte auf ca. 300 im Jahr. In den darauf folgenden Wintern wurde Willingen vor allem von Skisportlern besucht, die aus der näheren Umgebung, aber auch aus dem Ruhrgebiet anreisten. An Sonntagen zählte man ca. 500 Gäste im Ort, die damals noch mit Pferdeschlitten vom Bahnhof in Brilon Wald abgeholt wurden. Für den Tourismus sollte die Bahnstrecke erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Währungsreform 1923 wichtig werden. Als Mitte der 1920er Jahre die ersten Sonderzüge mit Wintersportlern Willingen anfuhren, verlangte die Eisenbahnverwaltung Garantiesummen von den Upländer Gastwirten, obgleich sich schnell herausstellte, dass dies nicht nötig war. 1938 entstanden die ersten direkten Eilzugverbindungen via Willingen von Amsterdam nach Bad Wildungen und von Frankfurt nach Bremen und erschlossen auf diese Weise das Upland noch stärker dem Fremdenverkehr.

  • Bombardierung eines Munitionszugs

    Im 2. Weltkrieg kam der Uplandbahn kaum eine militärische Bedeutung zu, in den letzten Kriegsmonaten waren die Züge allerdings wiederholt das Ziel von feindlichen Fliegerangriffen. Am 25. September 1944 wurden zahlreiche Reisende und der Lokführer verletzt, als der Mittagszug beschossen wurde. Am 24. Oktober hatte man vierzehn Tote und zahlreiche Verletzte nach einem Tieffliegerangriff zu beklagen. Als "schwarzer Tag für Willingen" ist der 20. März 1945 in die Geschichte eingegangen, als ein vollbeladener Munitionszug mit 28 Wagen, der im Willinger Bahnhof stand, nach einem Angriff in die Luft flog. Alle Häuser im näheren Umkreis wurden mehr oder weniger stark beschädigt und zum Teil unbewohnbar. Insgesamt waren 19 Familien obdachlos geworden und mussten untergebracht werden. In den nächsten Tagen herrschte in Willingen eine panische Angst, der Viadukt könne das nächste Ziel von Bombenangriffen sein, was sich zum Glück nicht bewahrheitete. 60 Jahre später stieß man bei Gleisbauarbeiten im Willinger Bahnhof auf Teile von Kriegsmunition, die zur Ladung des gesprengten Munitionszuges gehörten. Das größte Relikt war eine komplette Granate samt Zünder, gefüllt mit 9,5 Kilogramm Sprengstoff - ein Fall für den Kampfmittelräumdienst.

  • Der Zahn der Zeit

    Der Zahn der Zeit nagte an der Strecke der Uplandbahn und vor allem an den Brücken. Im November 1999 wurde der Bahnverkehr vorübergehend eingestellt und im Dezember 2003 nach umfassenden Sanierungsarbeiten wieder aufgenommen. Wasser- und Frostschäden hatten der Bausubstanz des Viadukts in Willingen so zugesetzt, dass ein Befahren nicht mehr möglich war. Die Außenhülle aus Natursteinen, durch Wasser und Kälte marode geworden, dienten dem Innenbau nicht mehr als Schutz, so dass die Gesamtkonstruktion der Brücke gefährdet war. 2003/2004 bekam der Viadukt ein neues Gesicht: Vertikal und horizontal wurden Hunderte von metertiefen, ca. 8 cm breiten Löchern in die Pfeiler gebohrt, in die man mit einem speziellen Druckverfahren eine flüssige Zementmischung presste. Die Natursteinhülle wurde mit Wasserdruck abgetragen und durch eine Spritzbetonmischung ersetzt, die alten Schwellen aus dem Jahre 1916 und die Schienen aus den 1960er Jahren wichen modernen ypsilonförmigen Stahlschwellen. Eine computergesteuerte Signaltechnik regelt den Einsatz von komfortablen Schnellzügen der neuesten Generation. Allein für die Standfestigkeit des Willinger Viaduktes wurden 9 Millionen Euro aufgebracht.

  • Billet Nr. 0001

    Wie viele Reisende die Uplandbahn bis heute befördert hat ist nicht bekannt, wohl aber, dass der Willinger Handelsmann Heinrich Wilke-Schusterhaus das erste Billet mit der Nummer 0001 von Willingen nach Brilon Wald und später auch das erste Ticket 0001 nach Korbach löste. Welche Nummer Ihre Fahrkarte auch immer trägt oder ob Sie mit einem elektronischen Fahrschein reisen, eine Fahrt mit der Uplandbahn nach Korbach ist immer ein Erlebnis: Genießen Sie herrliche Ausblicke in die reizvolle Landschaft und eine phantastische Aussicht vom 31 m hohen Viadukt!

Der Willinger Viadukt

in alten und neuen Ansichten

100 Jahre Willinger Viadukt

  • 10 Pfeiler
  • 31 m Höhe
  • 294 Länge
  • 1914 - 1917 Bauzeit
  • 2003 - 2004 Grundsanierung
  • 12.08.2017 Jubiläums-Brückenfest "100 Jahre Viadukt"

Willingen (Upland)

Willingen (Upland)

100 Jahre Viadukt - Großes Jubiläumsfest

Jubiläumsfest am 12.08.2017

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Willinger Viadukts wird am 12. August 2017 ein großes Jubiläumsfest gefeiert. Schauplatz ist der Parkplatz unter dem Viadukt, wo Sie sich auf ein buntes Unterhaltungsprogramm mit Musik, Geschichtsausstellung und natürlich kulinarischen Genüssen freuen können. Für Ihr leibliches Wohl sorgen die Concordia-Chöre, der Schützenverein, die Feuerwehr Willingen und die "Dunnerkuile". Ein historischer Omnibus bringt Sie vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände, und vielleicht gewinnen Sie ja auch eine Rundfahrt in einem Oldtimer-PKW. Am Willinger Bahnhof können sie bei einer Zugtaufe dabei sein und sicher auch einen historischen Zug bewundern. Abends spielt die Schützenblaskapelle Willingen im Festzelt zum Tanz auf.

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