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Die 5 Säulen der Kneipp-Gesundheitslehre

Wasser, Heilkräuter, Bewegung, Ernährung und Balance

Kneippkuren sind medizinische Maßnahmen zur Prävention und Gesunderhaltung auf Grundlage des 5-säuligen Behandlungsprinzips von Pfarrer Sebastian Kneipp. Sie umfassen eine Dauer von mindestens zwei, in der Regel aber drei bis vier Wochen und werden in prädikatisierten Kneippkurorten oder Kneippheilbädern durchgeführt. Kneippkuren sind bei Herz-/Kreislauf- sowie orthopädischen Erkrankungen, bei Störungen des vegetativen Nervensystems und zur Stärkung des Immunsystems indiziert.

 

Die am häufigsten angewandten Elemente der Kneippkur sind die Wasseranwendungen (Hydrotherapie), wie Kneippgüsse und Wassertreten, welche der Durchblutung förderlich sind. Daher finden Sie in einem Kneippheilbad auch immer Kneippanlagen in freier Natur, z. B. an exponierten Wanderwegen oder im Kurpark.

"Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein."
Das Wirkprinzip der Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp ist denkbar einfach: milde bis starke Reize regen den Blutkreislauf an, beleben den Stoffwechsel und fördern die Entschlackung.
Das Spektrum der Wasseranwendungen ist vielseitig und reicht von Waschungen über Kompressen bis hin zu Bädern. Wasser kommt dabei in allen Facetten seiner Konsistenz zur Anwendung: in flüssiger Form von warm bis kalt, als Eis oder Dampf. So helfen zum Beispiel Fußbäder bei Erkältungen, Vollbäder fördern die Entspannung und Gesichtsgüsse lindern Kopfschmerzen.
Die bekannteste Variante ist das Wassertreten. Stellen Sie sich dafür in kniehohes Wasser und steigen Sie eine imaginäre Treppe hinauf. Immer fleißig treten, ca. 10 Minuten lang, das bringt den Kreislauf ordentlich in Schwung.

Viele der Anwendungen kann man auch nach der Kur zu Hause weiterführen. Neben dem bereits erwähnten Wassertreten in knietiefen, kalten Gewässern ist vor allem das Barfußlaufen auf taunasser Wiese oder im Winter auf Schnee ein hervorragendes Mittel zur Anregung und Stärkung von Kreislauf und Venen.

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und Bewegungstherapie

Im Rahmen einer Kneippkur kommen auch Elemente aus den anderen vier Bereichen der Kneipp'schen Gesundheitslehre zum Einsatz.

Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) umfasst den Einsatz von Kräutern und Heilpflanzen in Form von Badezusätzen, Salben, ätherischen Ölen, Tees oder Säften.
"Die Natur ist die beste Apotheke."
Davon war Kneipp überzeugt. Für seine Therapien verwendete er viele heimische Kräuter, als Tee, Tinktur, Salbe oder Saft. Sein Lieblingskraut war die Arnika-Pflanze, die besonders positiv auf die Wundheilung wirkt. Zur Beruhigung der Verdauung empfahl er Fenchel - und Linden- oder Holunderblütentees sind Erkältungen immer noch die erste Wahl.

Zum Bereich der Bewegungstherapie gehören neben aktiver Betätigung wie Spazierengehen, Wandern oder Radfahren auch Anwendungen der Physiotherapie, insbesondere verschiedene Massagen.
"Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet."
Kneipp war Anhänger von maßvoller Bewegung an frischer Luft. Heute verstehen wir darunter Ausgleichssportarten, wie Wandern, Joggen, Golf oder Gymnastik, die in unseren "bewegungsarmen" Zeiten umso wichtiger sind. Dabei gilt: Die Bewegungsart und -dauer sollte den persönlichen Neigungen, dem Alter und dem Leistungsstand angepasst sein. Nicht jeder muss täglich 10 km laufen, ein ausgedehnter Spaziergang tut es auch.

Ernährung und Balance

Eine ausgewogene Ernährung ist ein Grundpfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden. Sie abwechslungsreich, möglichst naturbelassenen und vollwertig sein. Sie besteht aus viel Obst, Gemüse, Getreide sowie Milchprodukten und enthält alle notwendigen Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

"Wenn du merkst, du hast gegessen, dann hast du schon zu viel gegessen."
Für Kneipp stand fest: Essen und Genießen: Ja! Wahllose Völlerei: Nein! Er war kein Freund von Diäten und Verboten. Geschmack und Genuss waren ihm wichtig, nicht nur für den Körper, auch für das Seelenheil. Der Pfarrer trat für eine gesunde und maßvolle Ernährung ein. Mit einer abwechslungsreichen, möglichst naturbelassenen, vollwertigen Ernährung, mit viel Obst, Gemüse, Getreide und Milchprodukten liegen Sie auch heute noch ganz auf der Kneippschen Linie.

Die Ordnungstherapie, heutzutage spricht man auch von Balance, meint das Zusammenspiel zwischen körperlichem und seelischem Gleichgewicht.

"Erst als ich die Seele mit einbezog, kam ich zum Erfolg."

Körper und Geist bilden eine untrennbare Einheit. Diese Erfahrung machte auch Kneipp, der feststellte, dass einige Patienten erst Besserung ihrer körperlichen Beschwerden erfuhren, als ihre seelischen Probleme gefunden und behandelt wurden. Unser modernes Leben ist vollgepackt mit Terminen, Eindrücken und Entscheidungen. Deswegen ist ein Ausgleich zwischen Belastungs- und Entspannungsphasen enorm wichtig.
Früher und heute gilt: Ein gesunder Körper braucht eine Seele in Balance, um gesund zu bleiben! Dieses lässt sich durch eine entsprechende Lebensführung erreichen, z. B. durch die Vermeidung von Stress- und Risikofaktoren, ausreichend Schlaf und Bewegung. Im Rahmen einer Kneippkur kommen unter anderem Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Atemtherapie oder Yoga zum Einsatz.

Das von Pfarrer Sebastian Kneipp entwickelte naturheilkundliche Gesundheitskonzept entspricht dem aktuellen Zeitgeist. Im Mittelpunkt steht ein ganzheitliches Verfahren, das auf den fünf Säulen Wasser, Bewegung, gesunder Ernährung, den Heilkräften von Pflanzen und Kräutern sowie der Balance von Körper, Geist und Seele basiert.

"Gesund bleiben und lang leben will jedermann, aber die wenigsten tun etwas dafür. Wenn die Menschen nur halb soviel Sorgfalt darauf verwenden würden, gesund zu bleiben und verständig zu leben, wie sie heute darauf verwenden, um krank zu werden, die Hälfte ihrer Krankheiten bliebe ihnen erspart."

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897)

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