Willingen Claim

Die Ursprünge der Uplanddörfer

Der Begriff „Upland“ stammt aus dem Plattdeutschen und bedeutet „Hochland“ oder „Auf dem Land“, denn das Gebiet rund um Willingen erhebt sich 600 bis 843 m über den Meeresspiegel. Die Ursprünge der Upland-Dörfer liegen wahrscheinlich in der Zeit um 1000 nach Chr., wobei Willingen 1380, Schwalefeld 1333, Usseln 1338 und Rattlar 1168 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Es gab zunächst nur einige Lehnshöfe und die Besiedelung ging aufgrund der widrigen klimatischen Bedingungen nur langsam voran.

Das Leben im Mittelalter

Nachdem die Gehöfte zuerst zur Grafschaft Padberg gehörten, übernahmen im 15. und 16. Jahrhundert die Grafen von Waldeck die Grundherrschaft über das Gebiet, was folgende günstige Auswirkungen auf das Upland hatte: Einrichtung einer Forstbehörde und Oberförsterei im Stryck, die Pflege der Wälder, Jagd- und Fischgründe, der Einsatz von Richtern und Ortsvorstehern, die Bewertung der Höfe, Einführung von Steuern, Recht und Ordnung.

Die Entwicklung wurde durch verschiedene Katastrophen immer wieder gebremst: so gab es von 1340 bis 1470 eine Wüstungsperiode mit totalem Niedergang, nach der Aufbauzeit (1480 bis 1620) folgte der 30-jährige Krieg mit fast vollständiger Vernichtung. Der Wiederaufbau wurde vom Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) unterbrochen, woraufhin eine Schuldenlast von 800.000 Reichstalern auf der Grafschaft Waldeck lastetet, was auch den Werdegang der Uplanddörfer ungünstig beeinflusste. Zwischen 1842 und 1847 gab es große Brände in allen Orten, denen viele Gehöfte zum Opfer fielen, denn die Häuser waren instabil und mit Stroh gedeckt.

Eisenverarbeitung

Die Bevölkerung lebte zunächst hauptsächlich von der Landwirtschaft, langsam entwickelten sich einige Handwerkszweige wie die Eisenverhüttung. Es gab in Willingen drei bis vier Hütten mit den dazu gehörenden Hämmern; insgesamt acht bis zehn Betriebe. Die älteste, bereits 1530 urkundlich erwähnte, Hütte befand sich an der Hoppecke, die bedeutendste war die Hütte im Stryck, ein Hammer war im heutigen Willinger Kurgarten gelegen. Hergestellt wurden Roheisen und Eisenwaren wie Nägel, Öfen, Säbel und Pflugscharen. Während in den Werken verhältnismäßig wenige Männer beschäftigt waren, arbeiteten viele als Fuhrleute und als Köhler, da man Holzkohle zum Schmelzen des Erzes benötigte. In den Jahren 1815 bis 1832 wurden die Hütten und Hämmer stillgelegt, da sie aufgrund von wachsenden Transport- und Materialkosten, fehlender Infrastruktur und dem Import von billigerem ausländischen Erz insgesamt unrentabel wurden. Nach dem Zerfall der Eisenindustrie gab es eine ständige Abwanderung der Bevölkerung in die Städte, vor allem nach Wuppertal. 

Schieferabbau

Einen weiteren Handwerkszweig stellte der Schieferabbau dar, bereits 1859 gab es die beiden Stollenbetriebe „Maria I“ und „Waldeck“. 1857 wurde die erste Schieferbau-AG gegründet, welche zehn Jahre später die Willinger Grubenfelder erwarb und 1871 die Grube „Christine“ am Iberg eröffnete, dort jedoch zunächst nur Proben entnahm. Die ursprünglichen Stollenbetriebe wurden 1890 geschlossen und die Grube „Christine“ ging 1919 in Betrieb, da vorher kein Tiefbau möglich war. Der Schieferabbau erfordert von jeher viel Handarbeit, da das Gestein manuell gespalten und weiterverarbeitet wird, was die hohen Produktkosten verursacht. Die Grube „Christine“ florierte vor allem in den 50er und 60er Jahren, danach flaute die Konjunktur ab und am 30. April 1971 wurde die Schiefergrube stillgelegt; sie dient jedoch heute als Besucherbergwerk. Das Schwalefelder Schieferbergwerk mit den gleichen Ursprüngen wurde Ende 1994 geschlossen.

Leinenhandel

Da zur Zeit der Eisenverhüttung bereits ein Teil des Lohnes in Eisenwaren ausgezahlt wurde, entwickelte sich ein reger Tauschhandel zwischen Handwerkern und Bauern. Der Handel wurde ausgeweitet und vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts spielte vor allem der Leinenhandel eine Rolle. Die Handelsleute nannte man Linnenkerle, sie trugen blaue Leinenkittel mit weißer Stickerei, eine Elle, die gleichzeitig als Wanderstab diente und das Leinen in großen Säcken auf dem Rücken.

Man verkaufte nach Hagen, Dortmund, Oldenburg, ins Rheinland und auch in weiter entlegene Gebiete zunächst selbst gewebtes Leinen und kaufte später den Stoff in westfälischen Großwebereien auf. Der Leinenhandel erreichte seinen Höhepunkt 1926, damals gab es 132 Linnenkerle, deren Anzahl sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mehr als halbierte. Daneben betrieb man den Handel mit Fasskranen, die teils selbst gedrechselt und teils aus den umliegenden Ortschaften aufgekauft wurden. Man verkaufte diese Erzeugnisse nach Nordrhein-Westfalen und in den Osten.

Die Handelsleute brachten von ihren Reisen viel Fortschrittliches mit und so entwickelte sich langsam der Fremdenverkehr, denn zunächst waren es Geschäftspartner der Händler, die ins Upland kamen.

Vom Bergdorf zum Tourismuszentrum

Seit über 100 Jahren spielt der Fremdenverkehr in Willingen eine Rolle und die Geschichte vom armen Bergdorf zum modernen Kurort und Tourismuszentrum ist geprägt von Entbehrungen, Visionen, Unternehmergeist und zähen Bemühungen.

Der erste Tourist im Upland soll der Wuppertaler Professor Beck gewesen sein, der 1895 mit einigen Studenten das Upland durchwanderte und dabei die schöne Landschaft entdeckte. Bereits 1897 gründete man einen Verein zur Erschließung des Uplandes, aus dem ein Jahr später der Upländer Gebirgsverein hervorging. Mit der Kennzeichnung von Wanderwegen und der Errichtung von Ruhebänken und Schutzhütten schuf der Verein damals die Grundlagen der touristischen Infrastruktur. Bereits 1899 berichtete die Zeitung über „verhältnismäßig viel Sommerfrischler und Touristen“, die sich in Willingen eingefunden hatten und ab 1910 besuchten an jedem Winterwochenende zahlreiche Wintersportler den Ort. Bereits 1911 gab es die ersten Pläne für den Bau eines Sanatoriums. Nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Anschluss Willingens ans Eisenbahnnetz stieg die Zahl der Touristen stetig.

1924 gründete man den Verkehrsverein, der sich gezielt bemühte, den Fremdenverkehr voran zu bringen und damit auch erfolgreich war. Schon 1932 wurde Willingen Luftkurort, 1957 Heilklimatischer Kurort“ und 1979 „Kneippheilbad“. Heute bietet die Großgemeinde Willingen ca. 9.000 Gästebetten in 320 Betrieben und zählt jährlich rund eine Million Übernachtungen.

Blick auf Willingen 1935

Service-Hotline: +49 (0)5632 401180




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